Studie beziffert Kosten für Wiedervernässungsprämien in den fünf moorreichsten Bundesländern
Trockengelegte Moore verursachen rund 40 Prozent der Treibhausgasemissionen aus Landwirtschaft und landwirtschaftlicher Moornutzung. Wiedervernässung ist daher ein wirksamer Hebel für den Klimaschutz. Für Betriebe geht sie jedoch häufig mit Einkommensverlusten einher. Deshalb braucht es für einen Übergangszeitraum verlässliche Ausgleichszahlungen. Agora Agrar zeigt auf Landkreisebene, wie hoch eine Wiedervernässungsprämie dafür sein müsste.
Wenn landwirtschaftliche Betriebe trocken bewirtschaftete Moore wiedervernässen, sollten sie für entgangene Einnahmen innerhalb eines Übergangszeitraums verlässlich kompensiert werden. Ein solcher Übergangszeitraum ist auch wichtig, um neue Wertschöpfungsketten zu entwickeln, wie etwa Biomasseanbau für die Bauindustrie oder Photovoltaik auf vernässten Moorböden. In einer neuen Studie stellt Agora Agrar das auf den Moorflächen erwirtschaftete heutige Einkommen auf Landkreisebene für die fünf moorreichsten Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Bayern dar.
Demnach müsste eine Wiedervernässungsprämie, die sich am heutigen Einkommen orientiert, je nach Standort und Bewirtschaftungsform im Durchschnitt der Bundesländer zwischen 600 und 2.000 Euro pro Hektar und Jahr liegen. Am höchsten müsste sie für Ackerstandorte in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sein, am niedrigsten auf extensiv bewirtschafteten Flächen mit Mutterkuhhaltung in Brandenburg. Die Studie kann politische Orientierung für die Gestaltung solcher Ausgleichszahlungen etwa im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz oder auch der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU bieten.
Die Wiedervernässung eines großen Teils der landwirtschaftlich genutzten Moorböden könnte jährlich rund 30 Millionen Tonnen CO₂-Äq einsparen. Berechnet auf Basis des heutigen Einkommens würden für eine Wiedervernässungsprämie bis 2045 insgesamt etwa 8 Mrd. Euro benötigt. Je nach Vorkommen und Nutzungsformen der Moore variiert das erforderliche Budget in den Bundesländern. So werden in Niedersachsen und Schleswig-Holstein deutlich mehr Mittel gebraucht als in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern.
Wichtig ist, neben einer verlässlichen Finanzierung der Wiedervernässungsprämie, neue Einkommenschancen auf nassen Flächen zu entwickeln. Dafür braucht es Investitionen in die Etablierung neuer Wertschöpfungsketten, wie etwa die Verwendung der auf den nassen Moorstandorten produzierten Biomasse in der Bau- und Verpackungsindustrie.
Da die zur Finanzierung einer Wiedervernässungsprämie bereitgestellten Mittel aus dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) an Einnahmen durch den Emissionshandel geknüpft sind, sollte die Wiedervernässung möglichst zügig und ambitioniert vorangebracht werden. Denn mit sinkenden Emissionen gehen auch die Einnahmen aus dem Emissionshandel perspektivisch zurück.
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